Hat die vegetarische Ernährung einen Einfluß auf unser seelisches Gleichgewicht?

Der moderne Mensch lebt in einer Welt, die noch vor hundert Jahren undenkbar schien: Autos, Telefone und Düsenflugzeuge überwinden Zeit und Raum. Neonlicht macht die Nacht zum Tag. Vielfach bestimmen Maschinen den Rhythmus unseres Lebens. Hast und Unruhe sind die Folge. Nicht jeder wird damit fertig. Nervosität greift um sich. Damit beginnt eine Störung der seelischen Gesundheit. Die Unfähigkeit sich zu entspannen, abzuschalten und im eigenen Rhythmus zu leben- Bluthochdruck, Magengeschwüre, Migräne, Muskelverspannungen und feuchte Hände können die unerwünschten Folgen sein. Mindestens ein Drittel aller Körperstörungen hat seelische Hintergründe.

Jeder weiß, dass ehrgeizige Männer eher ein Magengeschwür bekommen als ihre gelasseneren Arbeitskollegen. Auch dass die Kreislaufstörungen einsamer Menschen oft vom Alleinsein und nicht etwa von einem schwachen Herzen herrühren, ist bekannt. Doch nicht immer sind die Zusammenhänge zwischen seelischen oder sozialen Vorgängen und körperlichen Krankheiten so deutlich. Häufig wehrt sich das Bewußtsein gegen die Aufhellung der Ursachen. Deshalb wissen viele Menschen, die an einer psychosomatisch bedingten Krankheit leiden, selbst nicht, dass ihnen die Seele „einen Streich spielt”.

Die seelische Gesundheit eines Menschen ist besonders gefährdet, wenn ein Mensch ständig höchste Anforderungen an sich selbst und an andere stellt, und wenn erbereit ist, seinen ganzen Lebensrhythmus dem Zwang des Leistungsstrebens unterzuordnen.

Wer alles „in sich hineinfrißt”, sich dauernd in Konkurrenzsituationen begibt, wer verlernt hat, seine wahren Gefühle zu zeigen, der läuft Gefahr, an einem psychosomatischen Leiden zu erkranken. Auch das gesunde Gemüt ist nicht unbeschränkt belastbar. Viele Gemütsleiden, auch bestimmte Formen der Depressionen, werden durch Überforderung hervorgerufen. Diese Gruppe von Krankheiten kann jeden Menschen treffen. Nur ihre Ausprägung wechselt. Häufig sucht sich der seelische Konflikt das individuell anfälligste Organ. Bei dem einen Menschen ist es der Magen, beim anderen das Herz, beim dritten die Haut. Nicht selten steht der Ort der Krankheit auch in direkter Beziehung zum psychischen Konflikt.

Wenn die Freude am Leben versiegt

Wegen ihrer weiten Verbreitung ist die Depression, worunter man eine traurige Verstimmung versteht, schon als „Krankheit der Epoche” bezeichnet worden. An schweren und darum unbedingt behandlungsbedürftigen Depressionen leiden rund drei Prozent der Bevölkerung.
Die Niedergedrücktheit kann viele Ursachen haben. Völlig normal und meist nach einiger Zeit vorübergehend ist eine Niedergeschlagenheit nach traurigen Erlebnissen, etwa dem Verlust eines Angehörigen. Zu einer Depression kann es jedoch auch infolge schwerer Erkrankungen, starker Erschöpfungszustände und in den Zeiten hormoneller Umstellung (Pubertät, Wechseljahre) kommen.

Menschen, die an depressiven Verstimmungen leiden, können sich zu nichts mehr aufraffen, sie haben das Interesse und den Spaß an den meisten Dingen der Außenwelt verloren, und sie isolieren sich zunehmend von der Umwelt oder fühlen sich isoliert. Oft haben sie das Gefühl, unfähig und wertlos zu sein. Neben einer guten fachärztlichen (psychiatrischen) Behandlung hat sich gezeigt, dass eine vegetarische Ernährung in manchen Fällen eine Linderung bringt. Müdigkeit, Verstimmungen und Depressionen leichterer Art werden häufig von einem niedrigen Blutzuckerspiegel begleitet. Das verleitet die Betroffenen meist, nach Süßem oder nach Kaffee zu verlangen. Rohkost kann das ändern: Rohkost-Experten wie Dr. John Douglass haben herausgefunden, dass rohe Kohlenhydrate vom Körper eher toleriert werden als gekochte.

Die Enzyme und der hohe Gehalt an Ballaststoffen helfen, dass sich der Blutzuckerspiegel normalisiert, verhindern die häufigen Stimmungswechsel und die Niedergeschlagenheit bei Depressionen.

Pflanzenkost – Rohkost als Heilmittel

Pflanzenkost – Rohkost als Heilmittel Die heilenden und gesundheitsverbessernden Eigenschaften bei vegetarischer Ernährung, auch in Bezug auf Depressionen, sind vielfach in den biologischen Kliniken Europas demonstriert worden. Um nur einige zu nennen:

• „Privatklinik Bircher-Benner” in der Schweiz
• Dr. Lars-Erik Essens „Vita Nova Klinik” in Schweden
• Dr. Josef Issels „Ringberg-Klinik in Tegernsee
• „Klinik Prof. Werner Zabel” in Bayern.

Hier wird die vegetarische Ernährung in Verbindung mit anderen Naturheilverfahren wie Hydrotherapie (Behandlung durch Anwendung von Wasser als Bad, Packung, Waschung, Wassertreten etc.) und Bewegungsübungen zur Behandlung der verschiedensten Krankheiten eingesetzt, darunter auch gegen psychische Verstimmungen (Depressionen).

Die Philosophie der biologischen Lehre – die auch hinter den Therapieansätzen dieser Kliniken steckt- besagt, dass Krankheiten, in diesem Fall die psychischen Krankheiten, auf Störungen im Ablauf der natürlichen chemischen Vorgänge im Körper zurückzuführen sind, und wenn diese Störungen beseitigt werden, die selbstheilende Kraft des Körpers einsetzen kann.
In welcher Form Rohkost dabei helfen kann, diese Ausgewogenheit wieder zu erreichen, das haben Professor Hans Eppinger, Chefarzt der ersten Medizinischen Klinik an der Universität von Wien, und seine Kollegen untersucht. Sie fanden heraus, dass Rohkost auf verschiedene Art und Weise die Zellen des Körpers beeinflußt. Nach Auffassung Eppingers werden die mikroelektrischen Kräfte im gesamten Körper erhöht. Erhöhte elektrische Kräfte im Gewebe seien ein direktes Mittel, um die „Lebendigkeit”, die „Vitalität” der Zellen zu messen. Die Zellatmung oder Sauerstoffanreicherung verbessert sich nach den Erfahrungen Eppingers, und die Heilvorgänge gehen schneller voran.

Den Teufelskreis durchbrechen

Es ist kein Geheimnis: ein schlechter Gesundheitszustand (auch ein psychisch labiler bei einem stark angegriffenen Menschen) führt zu einer verlangsamten Zellerneuerung, einer Schwächung der Wände der Kapillaren und zu einem langsamen Anhäufen von unerwünschten Stoffen in den feinen Zwischenräumen der Kapillaren, die von einem gesunden Organismus schnell „abtransportiert” werden. Es mag eine Zeitlang dauern, bis die Symptome ans Tageslicht treten.
In der Zwischenzeit fühlt sich der Mensch müde,schlapp und unlustig. Er lebt in einem Zustand der „Halbgesundheit” und ist sich nicht klar darüber, dass etwas nicht in Ordnung ist, denn es gibt ja noch keine eindeutigen Krankheitssymptome. Rohkost verbessert nach Auffassung der Rohkostbefürworter einerseits die Fähigkeit der Kapillargefäße, den Transport der Nährstoffe zu regulieren und andererseits den Organismus zu entgiften, indem der „Gewebeschlamm” beseitigt wird. Kurz gesagt: eine Rohkostdiät durchbricht den Teufelskreislauf (vorübergehende Abgeschlagenheit – Krankheit – andauernde Abgeschlagenheit – chronische Krankheiten und Verstimmungen) und ersetzt ihn durch einen „Kreislauf der Gesundheit”.

Planzenkost – ein lebenswichtiges Geschenk

Pflanzenkost – ein lebenswichtiges Geschenk der Natur

Das Interesse der Wissenschaftler gilt immer häufiger der Pflanzenkost. Längst sind noch nicht alle Geheimnisse der Ernährung erforscht. Das Wissen um die Wirkkraft der in den Pflanzen enthaltenen und für die Gesundheit so wirkungsvollen sogenannten sekundären Pflanzenstoffe ist noch lückenhaft. Eines ist jedoch jetzt schon absehbar: Es Muss nicht heißen „Fleisch – ein Stück Lebenskraft”, sondern „Pflanzenkost – ein Stück Lebenskraft”. Pflanzenkost hilft, das Immunsystem zu stärken, hilft Giftund Schadstoffe sowie Bakterien, Viren und Pilze zu eliminieren, hilft dem Körper, sich vor Krebs zu schützen und ist gut für unsere Psyche.

Beispielsweise ist Rutin, ein Bioflavinoid, das Wissenschaftler im Buchweizen entdeckt haben, dafür bekannt, Depressionen lindern helfen zu können. Und der Experte für Rohkost, Dr. John Douglass, fand heraus, dass Sonnenblumenkerne eine große Quelle vitaler Nährstoffe sind. Sie enthalten die meisten B-Vitamine, Vitamin E und viele essentielle Fettsäuren. Sie haben eine beruhigende Wirkung – das Gehirn arbeitet kurzfristig besser – und das Nervensystem wird günstig beeinflußt. Papayas und Mangos, ziemlich teuer und manchmal schwierig zu bekommen, sind reich an dem Enzym Papain. Papain ähnelt dem Enzym Pepsin im Magen und hilft Proteine aufzuspalten. Papain hilft außerdem bei Depressionen. Nach Auffassung der Rohkostbefürworter gibt Rohkost Kraft, Klarheit, Selbstvertrauen und ein Gefühl des Wohlbefindens, das einen veranlaßt, das Beste für seinen Körper zu tun. In Rohkost sind Vitalstoffe (sogenannte sekundäre Pflanzenstoffe) enthalten, die in gekochter Kost zerstört sind und die in Vitaminpillen oder anderen künstlichen Zusatzstoffen nicht enthalten sein können.

Clarissa Staciwa / Vegetarisch fit 1/97