BSE – Wie geht es weiter?

Die Wogen haben sich ein wenig geglättet. Eine Zeitlang überschlugen sich mal die Medien mit ihrer Berichterstattung über BSE. In Deutschland im Landkreis Höxter, war ein Galloway-Rind an der Seuche erkrankt. Diesmal beeilten sich die deutschen Politiker, Maßnahmen zu ergreigen. Schlielich wollten sie sich ihr geliebtes Steak nicht vom deutschen Teller nehmen lassen. Fest steht: das verendete Rind hat einen englischen Stammbaum. Rund 14.000 weitere deutsche Rinder haben einen englischen Stammbaum. Mit einem Federstreich erteilten die Politiker den Tieren das sofortige Todesurteil. Doch dagegen protestierten einige Bauern, sie klagten vor Gericht. Ihre Tiere seien gesund und sollten nicht zur Verbraucherberuhi-gung (Fleisch aus deutschen landensei nach wie vor hundertprozentig BSE-frei) und zum Schutz der Fleischwirtschaft geopfert werden.Nun gibt es unterschiedliche Gerichtsentscheide. Einige Bundesländer lassen die betreffenden Tiere töten, andere nicht. Während beispielsweise in Schleswig Holstein, Niedersachsen und Baden-Württemberg die Tötung nur noch auf freiwilliger Basis erfolgt, stoppte Bayern erst einmal die Tötungsaktion gänzlich; in Rheinland-Pfalz hingegen soll sogar die erste Nachkommengeneration der Importtiere getötet werden. Da ist die Versuchung groß, seine Tiere erst einmal auf Nachbars Weide ins andere Bundesland zu stellen, um der angeordneten Tötung der Tiere zu entgehen, denn „einsichtig” dürfte da wohl kaum ein Bauer sein.

Warten, bis Gras über die Sache gewachsen ist, das scheint die momentane Devise zu sein. Die Verbraucher haben sich eh schon längst an die BSE-Horrormeldungen gewöhnt. Sie erscheinen mittlerweile genauso regelmäßig wie die Meldungen über Hochwasserkatastrophen – „hautnah” sind die Medien mit dabei, aber immer sind „die anderen” betroffen, eine gewisse Abstumpfung bleibt da nicht aus. So kann es sich auch das SAT 1-Frühstücksfernsehen erlauben, bereits am 6. Februar das Rezept einer feinsauren Gemüsesuppe mit Rindfleisch anzubieten. Die Suppe stößt anscheinend niemandem sauer auf. Oder doch?

In den Medien hieß es anfangs, das BSE-Rind entstamme von einem Bio-Hof. Tatsächlich entstammt es nicht von einem anerkannten Bio-Hof. Für viele Verbraucher ist ein Galloway-Rind jedoch ein „alternatives” Rind, das artgerecht gehalten friedlichdraußen grasen darf. Verkaufseinbrüche deshalb bei den BioHändlern? Marita Odia vom Bundesverband Naturkost Naturwaren, sieht die Bio-Händler dadurch nicht in die Enge getrieben.

Odia: „Im Gegenteil, wir fühlen uns eher bestätigt.” BSE sei kein Thema in den Biobetrieben. Die Bio-Nachfrager hätten erst einmal überhaupt nicht auf diese Meldungen reagiert. Erst so 10Tierethik zum Heulen Gerhard Bökel, Hessens Landwirtschaftsminister zur Frage der sofortigen Tötung BSE gefährdeter Rinder (law Frankfurter Rundschau): Wenn sich weiterhin herausstelle, dass BSE auch vererbbar sei, gehe kein Weg an der „konsequenten Tötung” aller nachfolgenden Tiergenerationen vorbei — „auch wenn es aus ethischer Sicht keine einfache Entscheidung ist”. Fakt ist.’ Tiere werden nach einem unwürdigen Dasein lange vor ihrem natürlichen Tod geschlachtet — da kommen uns aus der Vegetarisch fit!-Redaktion angesirhls derartiger ethischer Gedanken glatt die Tränen.Tage später seien sie gehäuft mit Fragen an die Händler herangetreten. BSE sei daher erst wieder ein Thema, wenn die Übertragung von BSE vom Muttertier auf das Kalb nachgewiesen würde. Ursula Schmees Pressereferentin vom Demeter Bund e.V. ist, angesprochen auf das Thema BSE, erst einmal persönlich „genauso betroffen wie alle anderen auch, denn die Verbraucher haben Angst”. Jedoch gewährleisten Demeter-Produkte (Fleisch und Milchprodukte) ihrer Meinung nach eine große Sicherheit, da strenge Richtlinien eingehalten werden müssen: Zukauf von Tieren aus konventioneller Haltung ist nur zur Zucht erlaubt, ein Verkauf von zugekauften Tieren ist frühestens nach 2 Jahren erlaubt, ein Verkauf von Kälbern als Demeter-Kalb ist überhaupt nicht erlaubt und zugekaufte Kälber werden nicht mehr weiterverkauft. Durch die in den Medien verbreitete Bio-Galloway-Rindergeschichte „bleibt jedoch immer was hängen”, fügt sie traurig hinzu. Demeter versuche das momentan durch ein sofort erstelltes Kunden-Infopapier auszubügeln. Und die Kontrollen der Betriebe seien ihrer Meinung nach ebenfalls völlig ausreichend: „Mindestens einmal pro Jahr wird jeder Betrieb geprüft. Bei der klitzekleinsten Auffälligkeit erscheint der Kontrolleur ein zweites Mal – unangemeldet, versteht sich.”

Der Kontrolleur ist allerdings ein staatlich eingesetzter. Es ist der gleiche Kontrolleur, der den Otto-Normal Bauern um die Ecke prüft. Für die Bio-Betriebe hat er nur einen zusätzlichen Kontrollbogen zur Überprüfung der Einhaltung der Bio-Richtlinien auszufüllen. Bleibt zu hoffen, dass er die Bio-Richtlinien und vor allem die Kontrollen genauso wichtig nimmt wie es die Verfasser der Richtlinien tun.

Aber auch die Europäische Kommission hat erste Konsequenzen aus dem Hick-Hack um die möglichen BSE-Gefahren gezogen. So soll die Europäische Kammission demnächst eine mit umfassenden Kompetenzen ausgestattete Verbraucherschutz-Abteilung einrichten. Die sieben wissenschaftlichen Ausschüsse, die sich mit Tiermedizin und Verbraucherschutz befassen, sollen dieser Abteilung unterstellt werden. Bei Beratungen waren die wissenschaftlichen Ausschüsse immer wieder zu gegensätzlichen Ergebnissen gekommen. Nun soll mehr Transparenz für mehr Verbrauchersicherheit sorgen. Die Ergebnisse der Ausschüsse sollen regelmäßig veröffentlicht werden.

Auch die Politiker beeilen sich mal wieder, mit schönen Worten die Verbraucher in Sicherheit wiegen zu wollen. So verlangte der Hessische Landwirtschaftsminister Gerhard Bökel jüngst ein neues Qualitätssiegel, eine „Regionalmarke Hessen”, die für eine neue „gläserne Produktion” stehen solle…

Wem das alles nicht sicher genug ist, und für den BSE nach wie vor ein Thema ist, für den hat Vegetarisch fit! eine liste an pflanzlichen Alternativen zu tierischen „Rinds”-Produkten zusammengestellt.

Den Freunden von Joghurt, Käse und Butter etc. empfehlen wir nach wie vor, Bioprodukte der anerkannten Anbauverbände (Naturkostladen) oder EG-geprüfte Bioprodukte (Supermarkt) zu bevorzugen. Mit Ihrem Verbraucherverhalten entscheiden Sie heute mit, was morgen auf den Teller kommt.

Susanne Teige / Vegetarisch fit 04/97